Wie vielen Arten wurden beobachtet? Wie geht die Datenprüfung voran? Und was waren die Beobachtungshighlights? Das und vieles mehr schauen wir uns für 2025 im Jahresrückblick an.
Die wichtigsten Kennzahlen
Wir freuen uns riesig, dass die ArtenFinder*innen in diesem Jahr 10.736 Beobachtungen gesammelt und damit wieder den Vorjahresrekord gebrochen haben. Der Großteil der Beobachtungen wurde bereits geprüft (Freigegeben/Hinweis: 88%). Dafür bedanken wir uns sehr herzlich bei den Expert*innen, von denen viele ehrenamtlich mitwirken.
Es wurden Beobachtungen von 1.739 Arten dokumentiert. Fast ein Drittel davon waren Käferarten - die artenreichste Gruppe weltweit - gefolgt von Pflanzen, Pilzen und Nachtfaltern. Das ist interessant, da Pflanzen und Pilze bei der Anzahl von Beobachtungen eher auf den hinteren Plätzen stehen.
Wir freuen uns auch, dass die Anzahl von aktiven Nutzer*innen in Berlin wieder leicht gewachsen ist - und zwar auf 365 Personen. Es fällt auf, dass viele Nutzer*innen nur wenige Beobachtungen (1-20) hochgeladen haben und es recht wenige, sehr engagierte Nutzer*innen gibt. Dies ist tatsächlich eine normale Verteilung in Citizen-Science-Projekten. Es gibt immer viele Leute, die nur kurz mal reinschnuppern oder nur ganz bestimmte Funde melden. Es ist aber ein wichtiges Ziel von uns, diese Gelegenheitsnutzer dazu zu motivieren, noch mehr wertvolle Daten für den Berliner Naturschutz zu sammeln.
Wie verteilen sich die Beobachtungen?
Die Beobachtungszeit im ArtenFinder Berlin lässt sich in drei Gruppen einteilen: Hauptsaison (>1.000 Beobachtungen/Monat), Nebensaison (500-1.000) und Wintersaison (<500). 2025 begann die Hauptsaison im April und erreichte ihren Höhepunkt mit 1.757 Beobachtungen im Juni. Im August ging die Nutzeraktivität schon deutlich zurück, bis sie sich dann im November auf das "Winterniveau" von 200-300 Beobachtungen pro Monat einpendelte.
Die Karte zeigt, dass es deutliche Beobachtungsschwerpunkte in Berlin gab. Vor allem in den Ortsteilen Grunewald, Neukölln und Marzahn war viel los. Das heißt nicht, dass diese Orte besonders artenreich wären. In diesen Ortsteilen war die Nutzeraktivität einfach am höchsten. Es fällt aber auf, dass in manchen Ortsteilen kaum oder sogar gar keine Daten gesammelt wurden, z.B. in Blankenburg (2), Lichtenrade (3) oder Niederschöneweide (9). Daher unser Aufruf: Schaut doch im nächsten Jahr dort vorbei und füllt die weißen Flecken auf der Artenkarte.
Die beliebtesten Artengruppen mit den meisten Beobachtungen in 2025 waren die Vögel, Käfer und Säugetiere. Die vielen Meldungen von Säugern sind eher ungewöhnlich für Citizen-Science-Projekte, da die meisten Arten nachtaktiv und nur schwer zu dokumentieren sind. Hier spielten die Stadtnatur-Ranger der Stiftung Naturschutz Berlin ein wichtige Rolle, die mit Wildtierkameras auf die Suche nach gefährdeten und invasiven Arten gegangen sind, z.B. Fischotter, Baummarder und Waschbär.
Wie ist die Entwicklung?
Die Anzahl von hochgeladenen Beobachtungen und Arten hat sich sehr gut entwickelt. Die Beobachtungen sind seit 2019 um das 2,5-fache gestiegen. Seit 2024 scheinen sie sich aber bei etwas mehr als 10.000 Beobachtungen ein Plateau erreicht zu haben. Wir sind sehr gespannt, wie es in dieser Hinsicht im nächsten Jahr weitergeht. Die Artenzahl pro Jahr steigt jedes Jahr deutlich an: Der ArtenFinder Berlin wird also immer artenreicher. Wir vermuten, dass der in den letzten Jahren gestiegene Anteil von Insektenfunden einen großen Anteil daran hat. Rechnet man alle Jahre zusammen, wurden knapp über 3.000 Arten gemeldet und freigegeben.
Es ist kaum möglich zu sagen, welche dieser Beobachtungen nun mehr oder weniger wertvoll sind. Dies kommt ganz auf die Fragestellung der Datennutzenden (Berliner Behörden, Forschung, etc.) an. Ein gerne verwendeter "Schätzwert" sind die gefährdeten Arten der Roten Listen. Die Anzahl der Beobachtungen von in Berlin gefährdeten Arten ist seit 2019 stetig gestiegen. Ihr Anteil an allen Beobachtungen bleibt aber in der Regel konstant bei 8-10%. Dieser Wert ist nur bedingt nützlich, da einige Listen veraltet sind und manche früher gefährdeten Arten mittlerweile häufig beobachtet werden können, z.B. die Blauschwarze Holzbiene, die Italienische Schönschrecke oder der Biber. Der Anteil von gefährdeten Arten am Gesamtartenspektrum ist etwas weniger anfällig für solche Ausreißer. Doch auch diese Auswertung zeigt, dass der Anteil gefährdeter Arten sehr konstant bei 8% bleibt.
Wer gehört zu den Top 20?
Wir freuen uns riesig, dass so viele engagierte ArtenFinder*innen Ihre Naturbeobachtungen im ArtenFinder Berlin hochladen. Manche sind besonders fleißig und landen in unseren Top 20. Danke für euren Beitrag!

Hinweis: Über das Konto "iNaturalist Import" werden ausgewählte Beobachtungen aus dem Beobachtungsportal iNaturalist in den ArtenFinder übertragen.

Wie läuft die Datenprüfung?
96,4% aller Beobachtungen im ArtenFinder Berlin wurden geprüft. Im Jahr 2025 haben 42 Expert*innen, von denen 23 ehrenamtlich tätig sind, zu diesem tollen Ergebnis beigetragen. In diesem Jahr haben sie 16.554 "Prüfschritte" an Berliner Meldungen durchgeführt, d.h. eine Meldung freigegeben, abgelehnt oder als Hinweis eingestuft. In diesen Wert fließen auch Prüfungen von Meldungen aus den vergangenen Jahren sowie mehrere Prüfungen einzelner Meldungen ein.
Wir freuen uns riesig, dass wir 11 neue Expert*innen im Jahr 2025 dazugewinnen konnten. Dazu gehören auch Experten für bisher vernachlässigte Gruppen wie Benjamin Palm für Ameisen, Dr. Hendrik Borucki für Hundert- und Tausendfüßler und Prof. Dr. Matthias Jentzsch für Zweiflügler. Sie wollen auch als Expert*in bei uns mitwirken? Was Sie dafür mitbringen sollten, erfahren Sie in unseren FAQ.
Besondere Meldungen

Ein Grenzfall
Die Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia) ist eine Charakterart naturnaher, strukturreicher Fließgewässer. Sie ist nach der FFH-Richtlinie europaweit streng geschützt und gilt laut der regionalen Roten Liste als „extrem selten“ in Berlin. Knapp außerhalb Berlins, südlich von Erkner, wurden bereits Entwicklungsnachweise von ihr an der Spree gefunden. Aber erst jetzt wurden Exuvien auch innerhalb Berlins entdeckt. Und das war nicht leicht: Die Stadtnatur-Ranger*innen Luise Charlé und Romain Clément mussten die Ufer mit einem Schlauchboot abfahren, um die Larvenhäute einzusammeln. Aber es hat sich gelohnt: Berlin hat jetzt nachweislich eine Fortpflanzungsstätte dieser streng geschützten Art.

Ausgestorben und ausgesetzt
Wir staunten nicht schlecht als eine Meldung der Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) im ArtenFinder auftauchte. Annette Hamann hatte das Tier beim Sonnenbad im Britzer Garten beobachtet. Doch wie alle Berliner Funde dieser Art aus den letzten über 100 Jahren - so lange ist die Art in Berlin schon ausgestorben - handelte es sich auch hier um ein ausgesetztes Exemplar. Der Reptilien-Experte Norbert Schneeweiß konnte anhand des dichten Fleckenmusters sogar sagen, dass das Tier wahrscheinlich aus Südeuropa stammte. Damit ist Berlin um eine Art gebietsfremder Schildkröten „reicher“ und kommt nun auf insgesamt 11 Arten (ohne Unterarten).

Gute Zeiten für große Falter
Der Segelfalter (Iphiclides podalirius) hat sich in den letzten Jahren rasant aus Südbrandenburg Richtung Norden ausgebreitet. In diesem Jahr konnte er sich schließlich bis an die Nordgrenze Berlins vorarbeiten. Im Rahmen unserer Mission „Metamorphose“ wollen wir mehr über die Fortpflanzungsstätten von drei Tagfalter-Arten erfahren, u.a. vom Segelfalter. Markus Schmidt ist dem Aufruf gefolgt und hat diese Raupe im September in einem Tempelhofer Kleingarten gefunden. Dies zeigt auch: Kleingärten sind ein wichtiger Rückzugsort für Arten und können ein wichtiger Fortpflanzungsort für Schmetterlinge sein. Hier auch großes Dankeschön an Jonathan Neumann, der über iNaturalist viele Raupennachweise in den ArtenFinder gebracht hat.

Da hat jemand Bock
Auf unserer Mission „Habt ihr Bock(käfer)?“ haben wir 2025 nach ausgesuchten Bockkäfer-Arten in Berlin gesucht. Zu den Zielarten gehörte auch die Gruppe der Walzenhalsböcke, über deren Verbreitung und Futterpflanzen noch große Wissenslücken klaffen. C.P. hat diese Lücke ein wenig gefüllt und im Volkspark Prenzlauer Berg den Schwarzhörnigen Walzenhalsbock (Phytoecia nigricornis) auf Rainfarn entdeckt. Damit hat sie den zweiten Nachweis dieser Art für Berlin erbracht – Herzlichen Glückwunsch! Nachdem sie wusste, wonach sie suchen musste, folgten in den folgenden Tagen weitere Funde der Art. Dies zeigt mal wieder: Berliner Parks haben viel zu bieten.

Mehr Sichtungen vom Baummarder
Über die Verbreitung des Baummarders (Martes martes) in Berlin ist nur wenig bekannt. Wir freuen uns daher über jede Beobachtung des Waldbewohners, so wie über diese Wildtierkamera-Aufnahme im Glienicker Park, im Südwesten der Stadt. Der Stadtnatur-Ranger Till Schröder hatte die Kamera bewusst auf den liegenden Baumstamm gerichtet, denn der Baummarder nutzt solche Strukturen gerne um sich auf dem Waldboden fortzubewegen. Im Jahr 2025 konnten insgesamt zehn Nachweise an sechs Standorten erbracht werden, mehr als in jedem anderen Jahr zuvor und fast alle mit Wildtierkameras. Wir sind gespannt, wo er uns im nächsten Jahr über den Weg läuft.

„Für diesen Ort äußerst ungewöhnlich“
Diese Rückmeldung des Experten kann zwei Dinge bedeuten: Entweder hat das GPS des Handys versagt - oder man hat eine tolle Entdeckung gemacht. Bei diesem Moorfrosch (Rana arvalis) war letzteres der Fall. Carsten Eggers hat das Tier innerhalb des S-Bahn-Rings entdeckt, weit entfernt von bisher bekannten Vorkommen der Art. Man kann nicht ausschließen, dass das Tier dort ausgesetzt wurde, dies kam bei anderen Amphibienarten bereits vor. Für den Moorfrosch scheint es aber unwahrscheinlich. Die Amphibienkartierer*innen der Stiftung Naturschutz Berlin werden daher in diesem Jahr an dem Ort nach weiteren Tieren Ausschau halten.

Verschollene Waldwespe wiederentdeckt
Diese Wespenart Discoelius zonalis wurde seit 86 Jahren nicht mehr in Berlin beobachtet und galt als verschollen. Nun hat Carsten Eggers sie im Grunewald wiederentdeckt. Der Standort ist nicht überraschend, denn D. zonalis bevorzugt Feuchtwälder und Waldränder. Die Faltenwespe legt ihre Nester hauptsächlich in alten Bohrgängen von Totholz bewohnenden Käfern an. Ihren Nachwuchs füttert sie dann mit den Raupen von Kleinschmetterlingen.

Gekommen um zu stechen
Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) kann das Dengue-, Zika- und Chikungunya-Virus auf den Menschen übertragen. Das Risiko dafür wird in Deutschland aber als gering eingeschätzt. In Berlin wurden in den letzten Jahren regelmäßig Adulte, Larven und Eier in Kleingartenanlagen in Treptow-Köpenick und Neukölln sowie auf einem Pankower Friedhof nachgewiesen. Nun hat J.P. die erste Meldung einer Tigermücke im ArtenFinder hochgeladen. Um das Monitoring von Tigermückenpopulationen zu unterstützen, werden künftige Meldungen im ArtenFinder direkt an das Gesundheitsamt Mitte weitergeleitet. Mehr Infos zur Tigermücke in Berlin sind auf der Webseite der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege zu finden.

Einheimisch? Jein.
Anfang Juni hat eine ArtenFinderin zwei Exemplare des Strahlen-Breitsame (Orlaya grandiflora) im Spandauer Eiskeller gefunden. Der Doldenblütler ist gut an seinem „Strahlenkranz“ zu erkennen, der durch die stark vergrößerten Kronblätter der äußeren Blüten gebildet wird. Die Art ist deutschlandweit vom Aussterben bedroht – dennoch sind Funde wie dieser in Berlin kein Einzelfall mehr. Wie passt das zusammen? Ursprünglich stammt die Art aus dem Mittelmeerraum. Vor mehreren Jahrhunderten kam sie dann durch den Menschen nach Mitteleuropa und kommt seitdem in Deutschland nur sehr vereinzelt vor. Neuerdings ist der Archäophyt aber auch in Samenmischungen enthalten, wodurch sich kultivierte Bestände von gebietsfremden Populationen bilden können.

Ab jetzt von EU-weiter Bedeutung
Seit August 2025 stehen sie nun auf der Unionsliste der invasiven Arten: die invasiven Staudenknöteriche (Reynoutria sp.). Dazu gehören der Japanische (R. japonica), der Sachalin- (R. sachalinensis) und der Hybrid-Staudenknöterich (R. x bohemica). Alle drei Arten werden regelmäßig in Berlin gemeldet, so auch dieser Sachalin-Staudenknöterich von H.P. Doch was bedeutet es, auf der sogenannten Unionsliste zu stehen? Laut EU-Verordnung ist es verboten, die gelisteten Arten zu handeln oder zu halten. Stattdessen muss ihre Verbreitung erfasst und ihre Ausbreitung kontrolliert werden. Im Jahr 2025 hat der aktuelle Berichtszeitraum (6 Jahre) für die Unionsarten an die EU wieder begonnen. Wir sind daher dankbar, für jede Meldung der invasiven Staudenknöteriche.

„Echt verrückt - letztes Jahr nur im Odertal, jetzt schon in Berlin!“
So kommentierte Jens Esser die schnelle Ausbreitung des Kurzrüssligen Distelrüsslers (Larinus obtusus) im Jahr 2025. Irene Pardo entdeckte ihn als Erste in Berlin am Gehrensee. Nur sechs Tage später konnte Christine Petter dann zwei Exemplare im Volkspark Prenzlauer Berg bei der Paarung beobachten. Die Art ist für ihre Entwicklung auf Flockenblumen (Centaurea sp.) angewiesen, vor allem auf die Wiesen-Flockenblume (C. jacea). Dabei legen die Weibchen ihre Eier in die offenen Blüten, woraufhin die geschlüpften Larven sich von den entwickelnden Samen ernähren. Diese Eigenschaft wollte man sich in den USA zu Nutze machen: Man führte den Käfer zur Bekämpfung von invasiven Flockenblumen-Arten ein. Seitdem hat sich die Art in großen Teilen Nordamerikas ausgebreitet.

Exzellente Mimikry
Im Wuhlegarten hat Kaya-Ina Müller-Schmoß Ende Mai ein bestäubendes Insekt beobachte, das einer Mooshummel zum Verwechseln ähnlich sah. Doch genau das war der Plan: Denn durch diese Art der Tarnung – auch Mimikry genannt – gaukelt die Gelbhaarige Hummelschwebfliege (Criorhina berberina) ihren Fressfeinden vor, dass sie gefährlich sei und zustechen könnte. Leider ist diese Schwebfliege in Berlin sehr selten geworden und stark gefährdet. Als Waldbewohner – so wie etwa die Hälfte aller Schwebfliegenarten Berlins – ist sie auf große Mengen Totholz angewiesen. Die intensive Durchforstung und Entnahme von Totholz, zum Beispiel im Rahmen der Verkehrssicherheit, machen ihr und den anderen Waldbewohnern aber zu schaffen.
Wie hat Ihnen der neue Jahresrückblick gefallen? Sind Sie an weiteren Auswertungen interessiert? Sagen Sie uns Ihre Meinung im ArtenForum. Auch der ArtenFinder Rheinland-Pfalz hat eine Auswertung des Jahres 2025 veröffentlicht. Schauen Sie doch auch dort mal rein.