Mission: Wasserfrösche finden

Ziel: Melden Sie Beobachtungen von Wasserfröschen in Berlin und helfen Sie mit, neue Vorkommen zu entdecken und die aktuelle Bestandssituation bewerten zu können.

 

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In Berlin kommen 13 Amphibienarten vor. Davon gehören drei zu den Wasserfröschen (Pelophylax sp.): der Kleine Wasserfrosch (P. lessonae), der Seefrosch (P. ridibundus) und der Hybrid dieser beiden Arten, der Teichfrosch (P. esculentus). Wie alle heimischen Amphibien sind die Wasserfrösche besonders geschützt. Ihre Bestände in Berlin befinden sich jedoch im Rückgang, vor allem durch den Verlust geeigneter Gewässer, aber auch durch invasive Prädatoren.

Die Situation der drei "Arten" in Berlin unterscheidet sich stark: So ist der wenig spezialisierte Teichfrosch in Berlin noch relativ weit verbreitet und gilt aktuell als ungefährdet. Der Seefrosch kommt überwiegend an größeren Flüssen im Westen der Stadt vor und wird in der Berliner Roten Liste als gefährdet geführt. Der Kleine Wasserfrosch gilt in der Hauptstadt dagegen als ausgestorben: Von ihm wurden in den letzten Jahren nur zwei Individuen im äußersten Nordosten gefunden.

Ein großes Problem: Die Wasserfrösche sehen sich extrem ähnlich. Eine sichere Unterscheidung im Feld ist zwar anhand von bestimmten äußeren Merkmalen und den charakteristischen Rufen möglich, aber immer mit einer gewissen Unsicherheit verbunden. Dadurch fällt es selbst Profis schwer, die Arten im Feld zu bestimmen, wodurch die Elternarten untererfasst sein könnten. Trotzdem können Bilder und Tonaufnahmen wertvolle Hinweise auf unbekannte Vorkommen liefern, die anschließend von Amphibien-Expert*innen überprüft werden können.

Helfen Sie mit, Hinweise auf den Seefrosch und Kleinen Wasserfrosch zu sammeln, unbekannte Teichfrosch-Populationen zu entdecken und die verbliebenen im Auge zu behalten.

 

Arten im Fokus

Der Teichfrosch ist im eigentlichen Sinne keine Art, sondern ein Hybrid aus dem Seefrosch und dem Kleinen Wasserfrosch. In ihm mischen sich die Merkmale beider Elternarten, weshalb er höchst variabel und sehr anpassungsfähig ist. Zwar ist er in Berlin noch weit verbreitet, seine Bestände nehmen jedoch ab.

Aussehen

Die meisten Teichfrösche weisen eine Körperlänge von 55-75 mm (Männchen) bzw. 65-85 mm (Weibchen) auf. Die Körpergröße nimmt aber mit dem Alter weiter zu, so dass Männchen bis zu 100 m und Weibchen bis zu 120 mm groß werden können.

Die Oberseite der Tiere ist in der Regel grasgrün, seltener braun oder blaugrün gefärbt. Auf ihr sind dunkelbraune bis schwarze Pigmentflecken zu erkennen sowie ein hellgrüner oder gelblicher Rückenstreifen, der von der Schnauzenspitze bis zum Körperende verläuft. Die Färbung der Unterseite variiert stark: von weißlich und ungefleckt über eine leichte Graumarmorierung bis hin zu einer ausgeprägten schwarz-grauen Fleckung.

Das Äußere des Teichfroschs ist höchst variabel und bewegt sich gewissermaßen zwischen den Elternarten. Obwohl es sich um einen Hybriden handelt, kann der Teichfrosch fortpflanzungsfähige Nachkommen zeugen. Durch Paarungen zwischen den Teichfröschen und einer Elternart können sogar wieder reinerbige See- oder Kleine Wasserfrösche entstehen. Zudem können triploide Individuen entstehen. Dann weist das Tochtertier zwei Chromosomensätze der einen Elternart und einen Chromosomensatz der anderen Elternart. In solchen Fällen sehen die Tiere dem ersteren Elternpaar ähnlicher.

 

Der Teichfrosch ist sehr variabel gefärbt. Foto: Susanne Bengsch

 

Männlicher Teichfrosch mit weißen Schallblasen. Foto: Susanne Bengsch

 

Grünblaue Farbvariante des Teichfroschs. Foto: Paul Baumgart

Lebensweise

Teichfrösche sind sehr anpassungsfähig und daher noch weit verbreitet und relativ häufig. Adulte Teichfrösche pflanzen sich erst relativ spät im Jahr fort, wenn die Wassertemperaturen über 13°C steigen. Die Tiere wandern von März bis Mai ans Gewässer, laichen von Ende April bis Juli ab und sind noch spät bis in den Herbst aktiv. In sonnenexponierten, kleineren Gewässern kann die Reproduktion aber bereits früher beginnen.

Das charakteristische, teilweise sehr laute Rufen der Tiere während der Balz ist auch am Tage zu hören. Dabei bilden die Männchen häufig Rufgemeinschaften. Die Eier werden in Form von Laichklumpen vorzugsweise an Pflanzen abgelegt. Die Larven können bis zur Metamorphose auf beeindruckende 45 bis 80 mm heranwachsen. Nach der 5-12-wöchigen Larvenentwicklung verlassen die ersten Metamorphlinge ab der zweiten Julihälfte, die letzten gegen Anfang Oktober, das Wasser.

Lebensraum

Der Teichfrosch ist weniger spezialisiert und bewohnt nicht nur die Habitate des See- und Kleinen Wasserfroschs, sondern darüber hinaus ein weites Spektrum an Gewässern, sogar Brackwasser. Damit sind die Hybriden auch unmittelbare Konkurrenten ihrer beiden Elternarten.

Für sein Laichgewässer ist es wichtig, dass das Ufer nicht zu dicht bewachsen ist, im Wasser hingegen eine reiche Unterwasser- und/oder Schwimmblattvegetation vorhanden ist. Außerdem müssen größere Ufer- und Wasserbereiche wenigstens für ein paar Stunden von der Sonne beschienen werden. Selbst Fischteiche können geeignete Habitate sein, da die häufig vorhandenen Unterwasserpflanzen den Larven genügend Schutz bieten, bis sie dann zu groß sind, um gefressen zu werden.

Anders als viele andere Frösche sind Teichfrösche nicht nur als Larven, sondern auch als Adulte relativ lange ans Wasser gebunden. Die Überwinterung findet meist zwischen September/Oktober und März statt und kann sowohl im Wasser als auch an Land erfolgen. Die Wanderstrecken zwischen Überwinterungsquartier und Wasserlebensraum können dabei bis zu 2,5 km betragen.

Überregionale Verbreitung

Der Teichfrosch ist in Europa weit verbreitet. Sein Areal reicht von den Pyrenäen im Westen bis nach Dänemark im Norden, über Norditalien und den Balkan im Süden bis nach Russland hinein. In Deutschland bewohnen Teichfrösche alle Flach- und Hügelländer, selbst die mittleren Gebirgsregionen.

Verbreitung in Berlin

In Berlin gibt es in allen Bezirken aktuelle Nachweise des Teichfroschs. Die Bestände sind meistens jedoch sehr klein. So besteht die Hälfte der Vorkommen, die von 2016 bis 2023 untersucht wurden, aus lediglich einem bis zehn adulten Tier(en). Nur 8% der Bestände weisen mehr als 50 Tiere auf.

In den Außenbezirken ist der Teichfrosch fast flächendeckend vertreten. Populationen mit vielen Tieren liegen vor allem im Landschaftspark Herzberge, in den Falkenberger Rieselfeldern und im Spandauer Teufelsbruch.

Es ist auffällig, dass in den letzten Jahren viele ehemals ausgeprägte Vorkommen stark geschrumpft oder ganz erloschen sind, z.B. am Schwarzwasser- und Pechsee sowie in den Falkenberger und Blankefelder Rieselfeldern. Es wird vermutet, dass das Zuwachsen und die Beschattung der Gewässer und die dadurch wegfallenden geeigneten Laichplätze eine Rolle bei dem Rückgang spielen.

 

Teichfroschlarve im Riesenstadium. Foto: Nadine Gamrath

 

Der Fersenhöcker ist rund und zeigt in Richtung der Zehen. Foto: Susanne Bengsch

 

Typischer Lebensraum des Teichfroschs. Foto: Susanne Bengsch

 

Der Seefrosch ist der größte Vertreter der Wasserfrösche in Berlin. Typisch für ihn sind seine käckernden Rufe, die zu regelrechten Konzerten anschwellen können. Er kommt vor allem an den großen Flussseen im Westen der Stadt vor und gilt in seinen Beständen als gefährdet.

Aussehen

Üblicherweise erreichen männliche Seefrösche eine Körperlänge von 100 mm, Weibchen 120mm. Die Oberseite ist meist olivgrün, teilweise aber auch bräunlich oder gräulich, meist mit einem hellgrünen Längsstreifen in der Körpermitte. Typisch für ihn sind die unregelmäßig geformten, braunen Flecken auf dem Rücken. Die Unterseite ist meist marmoriert bzw. fleckig.

Diverse, subtile Merkmale unterscheiden den Seefrosch von den anderen Wasserfröschen: Zwischen der gelb gesprenkelten Pupille und der Iris befindet sich eine auffällig helle Abgrenzung. Die Schallblasen der Männchen sind grau, nicht weiß wie bei den anderen Formen. Und sein Fersenhöcker ist vergleichsweise abgeflacht.

 

Seefrosch mit olivgrüner Oberseite. Foto: Romain Clément

 

Weiblicher Seefrosch im Britzer Garten. Foto: Susanne Bengsch

 

Die Schallblasen des Seefroschs sind grau. Foto: Philip Schaffer, CC-BY

Lebensweise

Die Balz des Seefroschs erstreckt sich von April bis Anfang Juni und findet auch am Tag statt. Die Männchen lassen ein lautes, käckerndes „Lachen“ verlauten, welches in den Rufgemeinschaften oft zu regelrechten „Konzerten“ anschwellen kann. Davon abgesehen nutzen Männchen kürzere Rufe, um ihr Revier abzugrenzen.

Die Jungfrösche gehen im Juli/August an Land oder überwintern als Larven im Gewässer. Adulte Seefrösche überwintern im Bodenschlamm oder unter Steinen am Gewässergrund. Um nicht mit dem Rest des Gewässers einzufrieren, nutzen sie bevorzugt größere Wasserkörper oder Fließgewässer.

Lebensraum

Der Seefrosch ist besonders stark an Gewässer gebunden und verbringt den Großteil des Jahres in und am Wasser. In Deutschland bewohnen die Tiere vorzugsweise große (über 50 cm tiefe und über 2.500 m2 große), eutrophe, pflanzenreiche Gewässer der Flussauen, z.B. Seen, Altarme, ruhige Fließgewässerabschnitte und Flussseen, Unterläufe von Nebenflüssen, Kanäle und breitere Gräben, sowie Weiher und Teiche. Der Seefrosch entfernt sich selten mehr als 5 m vom Wasser und nutzt daher fast ausschließlich die Uferbereiche als Landhabitat.

Überregionale Verbreitung

Der Seefrosch ist in Mitteleuropa weit verbreitet. In Deutschland kommt vor allem entlang der Auen größerer Flüsse wie Elbe, Rhein und Donau vor. Unsicherheiten in der Bestimmung könnten jedoch zu größeren Wissenslücken über seine Verbreitung beigetragen haben.

Verbreitung in Berlin

Von 2016 bis 2023 wurde der Seefrosch überwiegend in der Nähe der Havel im Westen der Stadt angetroffen. Das größte Vorkommen liegt im Teufelsbrück (Spandau) mit mehr als 300 Individuen. 80% aller Vorkommen bestehen jedoch aus lediglich 1-10 Tieren. Vereinzelte Artnachweise liegen isoliert im Norden und äußersten Süden bis Südosten der Stadt vor.

Der Fersenhöcker des Seefroschs ist fast spitz und zeigt in Richtung der Zehen. Foto: Susanne Bengsch

 

Am Teufelsbruch in Spandau kommt noch eine große Seefrosch-Population vor. Foto: Albert Poustka

 

Typisches Seefrosch-Habitat im Westen Berlins. Foto: Uwe Pena

 

Der Kleine Wasserfrosch ist sowohl der kleinste als auch der seltenste Wasserfrosch in Berlin – nur zwei Individuen wurden in den letzten Jahren sicher nachgewiesen. Im Vergleich zu seinen nächsten Verwandten ist er außerhalb der Paarungszeit auch regelmäßig außerhalb des Gewässers anzutreffen.

Aussehen

Die drei Wasserfrösche im Freiland auseinander zu halten ist äußerst schwierig und am ehesten noch anhand der Fersenhöcker am Hinterfuß möglich. Es gibt jedoch Indizien, die auf den Kleinen Wasserfrosch hinweisen können: seine geringere Größe, die stumpfe und kurze Schnauze und seine Körperfärbung und -zeichnung. Männliche Tier erreichen maximal 60 mm, weibliche bis zu 70 mm. Zur Paarungszeit ist seine Haut viel glatter als bei den anderen beiden Wasserfröschen. Die Männchen sind in dieser Zeit auf der Rückenseite und an den Flanken oft gelbgrün bis zitronengelb, Weibchen ändern ihre Farbe nicht und bleiben bräunlicher und variabler. Schlussendlich ist jedoch eine genetische Untersuchung nötig, um ganz sicher zu sein.

 

Adulter Kleiner Wasserfrosch mit typischer hellgrüner Färbung. Foto: Susanne Bengsch

 

Die Unterseite ist weiß und nicht marmoriert. Foto: Susanne Bengsch

 

Subadultes Tier. Foto: Nadine Gamrath

Lebensweise

Die Männchen besitzen weiße, seitenständige Schallblasen, mit denen sie von Mai bis Juni in den Fortpflanzungsgewässern balzen. Die aufsteigend schwirrenden Rufe ertönen vom späten Vormittag an bis tief in die Nacht hinein.

Ein Weibchen legt 400 bis 3.000 Eier pro Saison. Die Larven werden meist zwischen 45 und 75 mm lang und entwickeln sich innerhalb von etwa fünf Monaten zu Metamorphlingen. Nach abgeschlossener Reproduktionsphase wandert ein Teil der Adulten wieder vom Laichgewässer ab. Die verbliebenen Tiere ruhen – so wie auch der Teich- und Seefrosch - am Tage meist nicht weiter als 30 cm von einer Wasserstelle entfernt, in die sie sich bei Gefahr mit einem Sprung retten können.

Lebensraum

Im Vergleich zu den beiden anderen Wasserfroscharten wird der Kleine Wasserfrosch häufiger in kleineren, oligotrophen und vegetationsreichen Gewässern nachgewiesen. Seine Fortpflanzungsgewässer sind vor allem moorige und sumpfige Wiesen- und Waldweiher, Wiesengräben und -kanäle sowie eutrophe Weiher im Offenland und Gewässer in Erlenbruchwäldern.

Sie weisen eine etwas geringere Bindung an Gewässer auf. Gelegentlich unternehmen sie längere Wanderungen über Land (meist bis ca. 1.500 m, aber > 3.000 m möglich) und entfernen sich auch für die Nahrungssuche weiter vom Gewässer als die anderen heimischen Wasserfroscharten. Trotzdem sind sie ebenfalls schwerpunktmäßig an Gewässern und im Uferbereich anzutreffen. Kleine Wasserfrösche überwintern in der Regel an Land, nicht im Gewässer.

Überregionale Verbreitung

Der Kleine Wasserfrosch besitzt ein großes mitteleuropäisches Verbreitungsgebiet. In Deutschland sind seine Vorkommen jedoch nur punktuell verteilt, mit Schwerpunkten u.a. im Raum Rostock, in Teilen Brandenburgs und Thüringens, sowie im Alpenvorland. Aufgrund der Bestimmungsunsicherheiten sind möglicherweise nicht alle Vorkommen registriert.

Verbreitung in Berlin

Im Raum Berlin gab es vor 2015 nur einzelne Nachweise des Kleinen Wasserfroschs, u.a. im Grunewald, nahe des Spandauer Forstes, in Britz und im nördlichen Lichtenberg. Nach 2015 konnte nur noch ein einziges Vorkommen in Pankow (Ortsteil Karow) innerhalb einer gemischten Wasserfrosch-Population nachgewiesen werden. Eine Reproduktion wurde nicht beobachtet. Die historischen Vorkommen wurden in den letzten Jahren nicht bestätigt. Dies kann jedoch auch an der Bestimmungsunsicherheit in den gemischten Populationen liegen. Es wird daher dringend empfohlen, bestehende Wasserfrosch-Vorkommen auf die Anwesenheit des Kleinen Wasserfroschs zu untersuchen.

 

Das Männchen ist während der Paarungszeit hellgrün bis zitronengelb gefärbt. Foto: Susanne Bengsch

 

Der Fersenhöcker ist groß und halbkreisförmig. Foto: Philip Schaffer, CC-BY

 

Das einzige Habitat des Kleinen Wasserfrosches in Berlin. Foto: Susanne Bengsch