3. ArtenFinder-Berlin-Treffen am Hahneberg

Am 5. September haben sich 30 begeisterte Naturbeobachter*innen zum 3. ArtenFinder-Berlin-Treffen in der Naturschutzstation Hahneberg zusammengefunden. Wir blicken zurück auf praxisnahe Vorträge, spannende Exkursionen und einen anregenden Austausch.

Was gibt’s Neues beim ArtenFinder Berlin?

Yannick Brenz, Koordinator des ArtenFinder Berlin, begann die Veranstaltung mit einer guten Nachricht: Schon gestern wurde die „magische“ Grenz von 10.000 Meldungen für dieses Jahr geknackt. Damit rückt der nächste Jahresrekord in greifbare Nähe. Besonders beliebt waren wieder die Vögel mit 23% der Meldungen, gefolgt von Käfern (19%) und Tagfaltern (10%). Pflanzen sind zwar mit fast 5% weiterhin eine vernachlässigte Gruppe, doch ihr Anteil stieg in den letzten Jahren stetig an. Fast jede siebte Meldung stammte von einer gefährdeten Art. Die ArtenFinder*innen scheinen ein gutes Gespür für seltene Arten zu haben – oder häufige Arten werden tendenziell übersehen.

 

Yannick Brenz stellt die Ergebnisse des Jahres 2026 vor. Foto: Charlotte Keyßer

 

13,5% der Meldungen aus 2026 stammen von Arten der Berliner Roten Listen. Abbildung: Yannick Brenz

 

Die Malveneule und der Blattkäfer C. decemmaculatus wurden in Berlin wiederentdeckt. Abbildung: Yannick Brenz

 

Auch in diesem Jahr gab es wieder besondere Funde: So hat Jonathan Neumann die seit über 100 Jahren in Berlin verschollene Malveneule wiederentdeckt. Außerdem hat Marleen Mikußies den Blattkäfer Cryptocephalus decemmaculatus wiedergefunden, der zuletzt 1948 in der Hauptstadt nachgewiesen wurde. Auffällig waren die vielen Totfunde von gebietsfremden Schildkröten, die wahrscheinlich auf den relativ harten Winter zurückzuführen sind. Der Große Fuchs, ein in Berlin vom Aussterben bedrohter Tagfalter, wurde zudem besonders häufig beobachtet – und zwar nicht nur die Falter, sondern auch die Fortpflanzungsstadien. Der Grund für diesen potentiellen Bestandszuwachs ist jedoch unklar.

 

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Der Status quo der Berliner Amphibienfauna

Im nächsten Vortrag stellte Dr. Albert Poustka, Mitarbeiter der Koordinierungsstelle Fauna bei der Stiftung Naturschutz, die Berliner Amphibienkartierung und den aktuellen Status der Amphibienbestände in der Hauptstadt vor. Tatsächlich spielten die über 2.000 Amphibienfunde im ArtenFinder eine wichtige Rolle bei den Untersuchungen, denn die ArtenFinder*innen können auch neue, bisher nicht untersuchte Gebiete und private Flächen wie Kleingärten abdecken.

 

Dr. Albert Poustka stellt die Ergebnisse der Berliner Amphibienkartierung von 2016-2023 vor. Foto: Charlotte Keyßer

 

Die Meldehäufigkeit im ArtenFinder Berlin spiegelt die Häufigkeit der Amphibienarten in Berlin ziemlich gut wieder. Abbildung: Susanne Bengsch

 

Der Erhaltungszustand der europarechtlich geschützten Amphibien ist in Berlin ungünstig-unzureichend bis ungünstig-schlecht. Abbildung: Susanne Bengsch

 

Leider zeigt sich bei den Amphibiendaten ein trauriges Bild: Alle Arten befinden sich im Sinkflug, selbst die Generalisten wie Erdkröte, Teichmolch und Teichfrosch. Dies äußert sich vor allem durch stark abnehmende Bestände. In den meisten Gewässer sind nur noch 1-10 Individuen einer Art zu finden. Die Bewertung der Populationen, Habitate und Beeinträchtigungen für die meisten Arten offenbart einen ungünstigen Erhaltungszustand. Und die Gründe dafür sind vielfältig: Wasserhaushalt, Eutrophierung, Neozoen, falsche Pflege, Schadstoffe und vieles mehr.

 

Vom Suchen und Finden der Unsichtbaren

Die Nachtfalter-Expertin Cathrina Balthasar erklärte in ihrem Vortrag zunächst, wie sich Nachtfalter von Tagfaltern unterscheiden lassen. Kleiner Tipp: Auf die Fühler kommt es an. Doch worauf sollte man bei der Dokumentation von Nachtfaltern konkret achten? Glücklicherweise liegen die wichtigsten Bestimmungsmerkmale auf der Oberseite der Vorderflügel. Die meisten Arten zeigen ihre Flügelmusterung in Ruhestellung und machen es uns damit ziemlich einfach. Ein Foto von oben ist daher ideal. Weitere relevante Merkmale sind die Flügel- und Fühlerform, die Farbe und Musterung der Hinterflügel-Oberseite und ganz selten auch die Körperfärbung.

 

Es kann eine Herausforderung sein, Nachtfalter zu finden. Foto: Charlotte Keyßer

 

Ein Foto von oben bildet in der Regel die wichtigsten Merkmale ab. Abbildung: Cathrina Balthasar

 

So machen es die Profis: Leuchtturm, Ködern und UV-Lampe. Abbildung: Cathrina Balthasar

 

Und wo findet man Nachfalter, wenn man kein Profi ist? An überraschend vielen Orten, zum Beispiel an und auf Blüten, auf und unter Blättern, im Gras, auf Rinde und an Zweigen. Cathrinas Tipp: Wenn man nachts an beleuchteten Unterführungen vorbeikommt, sollte man genauer hinschauen. Auch beleuchtete Hausnummern können die Tiere anziehen. Wer es genau wissen will, geht auf die Suche nach Raupen und Eiern. Profis besorgen sich am besten einen Leuchtturm und ködern die Falter mit einer Mischung aus Rotwein und Zucker. 

 

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Pilze für den Naturschutz erfassen

René Jarling, Vorsitzender der Pilzkundlichen Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburg, zeigte in seinem Vortrag ganz praktisch, worauf es bei der Dokumentation von Pilzen in Meldeportalen ankommt. Denn die Aussagen von früher, Pilze seien nicht anhand von Fotos zu bestimmen, treffen nur eingeschränkt zu. Mit guten Fotos, der richtigen Perspektive und einem Hauch KI ist vieles möglich. So sind manche Gruppen besser und andere schlechter für die Bestimmung anhand von Fotos geeignet. Gut geeignet sind unter anderem Röhrlinge, Milchlinge, Ritterlinge und Leistlinge. Besonders schlecht geeignet sind zum Beispiel Tintlinge, Mürblinge, Rötlinge und Schimmel.

 

René Jarling wies auf eine absolut unterrepräsentierte Gruppe hin, die phytoparasitären Pilze. Foto: Charlotte Keyßer

 

So sieht das ideale Pilzfoto aus: von oben, von unten, mit Schnittbild und etwas Umgebung. Abbildung: René Jarling

 

Viele Pilzarten sind gut anhand von Fotos zu bestimmen. Bei manchen Gruppen kommt man aber nicht weit. Abbildung: René Jarling

 

Der wichtigste Hinweis für ein nützliches Foto: Die Pilze auch von unten fotografieren. Nur eine Aufnahme von oben bringt in der Regel nicht viel. Idealerweise legt man einen Pilz umgedreht neben die anderen, schneidet einen von ihnen mittig durch und bildet zusätzlich ein wenig von der Umgebung ab - herabgefallene Blätter können auf umliegende Bäume hindeuten. Aber Achtung: Die Pilze sollten formatfüllend und freistehend sein. Das Kommentarfeld kann mit anderen wichtigen Beobachtungen gefüllt werden: umstehende Bäume, Substrat von holzwachsenden Pilzen, die Wirtspflanze bei Phytoparasiten und der Geruch. Am Ende hatte René noch einen Meldeaufruf für die untererfassten Phytoparasiten und die in Berlin und Brandenburg sehr seltenen Saftlinge.

 

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Exkursionen: Flechten und Herausforderungen am Hahneberg

Am Nachmittag erkundeten die Teilnehmenden in zwei Gruppen den Hahneberg. Dr. Robert Lücking (Botanischer Garten Berlin) startete seine Flechten-Exkursion direkt auf dem Parkplatz, wo mehrere Flechtenarten wie die Mauerflechte (Lecanora muralis), Krater-Aspicilie (Circinaria contorta) und Zerstreute Schwielenflechte (Physcia dubia) auf den Steinen wuchsen. Flechten sind Lebensgemeinschaften aus einem strukturgebenden Pilze und Fotosynthese betreibenden Grünalgen oder Cyanobakterien. Die Highlights vom Hahnberg warteten dann im Birkenwald. Dort konnten unter anderem die Grubige Bartflechte (Usnea hirta) und die Breitlappige Schüsselflechte (Parmotrema perlatum) bewundert werden.

André Eden, Doktorand an der TU Berlin und ehrenamtlich am Hahneberg aktiv, berichtete von seinen Führungen in dem Gebiet und hatte drei Kernbotschaften für die Teilnehmenden: 1. Nicht immer nur auf die Politik schimpfen. Stattdessen Menschen dazu begeistern, im großen Stil Naturschutz von der Politik zu fordern. 2. Es ist wichtig, sich Zeit für seltene Arten zu nehmen. Denn nur häufige Arten zu zeigen, schafft kein Bewusstsein für den Artenschwund. 3. Lebhaft aufzeigen, welche Gefahr durch invasive Arten für die heimischen Ökosysteme ausgeht.

 

Dr. Robert Lücking vom Botanischen Garten Berlin stellt die Flechten am Hahneberg vor. Foto: Charlotte Keyßer

 

Die Mauerflechte (Lecanora muralis) ist sehr widerstandsfähig und häufig in Berlin. Foto: Charlotte Keyßer

 

Auf der sauren Birkenrinde wächst eine besonders hohe Vielfalt von Flechten. Foto: Charlotte Keyßer

 

André Eden hatte drei Kernbotschaften für die Gruppe. Foto: Charlotte Keyßer

 

Der Hahneberg liegt direkt an der Grenze zu Brandenburg. Foto: Charlotte Keyßer

 

Danke für den tollen Tag und auf Wiedersehen! Foto: Charlotte Keyßer

 

Vielen Dank an alle Vortragenden und Exkursionsleiter für euer Wissen und euer Engagement, an die Naturschutzstation Hahneberg für die Bereitstellung eurer Räume und die Unterstützung und an alle Teilnehmenden für euer Interesse!

 

Redaktion: Yannick Brenz